Schlumper, die nächste Generation

Einführung und Abbildungen aus dem Katalog zur gleichnamigen Ausstellung

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Die nächste Generation steht im Wettstreit der Künste. Die bekannten Künstler haben große Ausstellungen hinter sich. Die bislang kaum öffentlich gezeigten Bilder der unbekannten hingegen kennen nur Eingeweihte. Es ist wie in einer Familie, der Nachwuchs will es anders machen als die Eltern.

Die nächste Generation der Schlumper vorzustellen, heißt sich auf Neues einzulassen. Sie präsentieren ihre Sicht der Welt. Was man bisher bei den Schlumpern gesehen hat, ist unwiederholbar. Die Vorbilder Uwe Bender oder Horst Wäßle malen zwar noch mitten unter denen, die ihnen nachfolgen, es ist aber von Vorteil, sie nicht zu vergleichen. Die Urschlumper und die nächste Generation heißt gleichermaßen, dass es um einzelne, eigenwillige Künstlerinnen und Künstler geht.

Die Frage, was eine Generation sei, scheint einfach zu beantworten. Dem Begriff liegt das griechische Wort „genos“ zugrunde, was so viel heißt wie „ins Dasein gelangen“. Das Lateinische „generatio“ bedeutet Entstehung oder Erzeugung, ein schöpferisches Prinzip, das den Fortgang der Geschichte garantiert. Mit anderen Worten: Durch Nachwuchs entsteht eine neue Generation. Nicht nur der Unterschied zwischen den Generationen, auch die Ähnlichkeit oder Verbundenheit spielt also eine Rolle. Wenn man geboren wird, ist man einmalig und unverwechselbar, gerät aber zugleich in eine bestimmte Kultur, die man sich aneignet von denen, die einem vorausgingen.

Die nächste Generation, das bedeutet in der Kunst meistens eine Veränderung der Stilrichtung und der Ausdrucksformen. Welches ist der neue Stil der noch unentdeckten Schlumper?

Zum Beispiel wirkt „Der Hintergrund“ (2006) von Stefanie Bubert wie ein Sinnbild: Die nächste Generation der Schlumper blieb bisher im Hintergrund, weil die Prominenten so dominierten. In deren Schatten und Aura entwickelten sie ihren eigenen Stil. So häkelt Michael Gerdsmann ungewöhnliche Objekte, einen Kopfhörer, eine Tasse mit Kaffeelöffel, einen Haarföhn, zugleich entwirft er gegenstandslose Computergrafik. Ebenso einmalig im Rahmen der Ateliergemeinschaft der Schlumper sind die päzisen Messer-Schnitte von Nicole Schmuhl oder die inszenierten Fotografien von Dominik Pawlowski.

„Man braucht viel Zeit, um jung zu werden“, sagte Picasso. Ich denke, er meinte, sich seine Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, seine künstlerische Position zu erarbeiten, fällt nicht vom Himmel. Wer bei den Schlumper anfängt, wird freier Bildkünstler von Beruf.

In der vorliegenden Sammlung finden sich Arbeiten der nächsten Generation der Schlumper, Bilder und Objekte, die man von den Schlumper bei den Schlumper noch nicht gesehen hat. Die nächste Generation nutzt ihre Chance, sie tritt aus der Anonymität in den Vordergrund.

Christian Mürner